Trondheim - Strausberg - Wr. Neustadt Ost

Die Auferstehung des Traums vom Fliegen
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Trondheim – Strausberg – Wr. Neustadt Ost - Wenn Träume wahr werden...

Trondheim – Strausberg – Wr. Neustadt Ost - Wenn Träume wahr werden...

Geschafft?

 Nun ja, der letzte Stand war, dass noch drei Dinge gefehlt haben - Dreiecksflug, Funkerzeugnis und Prüfungsflug - zu denen sich noch überraschend und kurzfristig ein viertes - die Alpeneinweisung - dazugesellt hat...

Was soll ich sagen, aus der Idee - Wr. Neustadt - Maribor - Portoroz - Wr. Neustadt - ist leider nix geworden, somit sind wir dann doch beim 'Klassiker', nämlich Wr. Neustadt - Krems - Wels - Wr. Neustadt geblieben. Und damit die Überraschung beim ersten langen Alleinflug nicht allzu groß ist, haben wir eine Generalprobe gemacht; 'wir' meint meinen FI und mich.
Diese besagte Generalprobe, war dann doch holpriger als gedacht, und das nicht wegen des Wetters. Ich hab zwar, so wie ich das die letzten Wochen gemacht hab, die Flugplanung gemacht, leider aber dabei etwas wesentliches vergessen. Nämlich die Anflüge, die Platzrunden und die Meldepunkte bei den Zielflugplätzen, und so hat zwar die Strecke nach Krems gut geklappt, ich hab sogar die Hindernisse in Form der verschiedenen TMA und TRAs gemeistert, als dann aber die Frage war, wie ich jetzt denn Krems anfliegen würde, und wo ich denn melden müsste, da war ich dann auf die Hilfe meines FI's angewiesen. Dementsprechend war dann auch die Landung - wie immer, viel zu schnell und viel zu hoch... Letztlich hab ich erst sehr weit nach der Schwelle die Maschine zum Aufsetzen gebracht, und das nicht ganz so sanft wie sonst, und bin natürlich am Exit der Piste vorbeigerollt, hätte unmöglich bremsen können.  Und da Krems auf der 11 nur über einen Exit am Anfang und in der Mitte verfügt, musste ich umdrehen und zurückrollen um die Piste zu verlassen - not amused ich war...

Aber die Verärgerung über mich selbst hatte auch etwas gutes, denn noch vor dem Abflug schaute ich mir den Anflug meines nächsten Ziels sehr genau an, so ein Faux pas sollte mir kein zweites mal passieren.

Denkste, oder so, denn ja, ich hab mir zwar Wels ganz genau angeschaut, aber Krems nicht mehr, denn 'da war ich ja schon gelandet'... Und so kam es, dass mir den nette Türmer bei der Abfluginformation "rolle zum Rollhalt Bravo der Piste 11" auftrug. Bravo? Wo ist Bravo? Und eben diese nicht-Vorbereitung führte dazu, dass ich schnurstraks zum Rollhalt Charlie der Piste 29 rollte, was ihn dann zuerst verwirrte und dann doch ein wenig sprachlos machte...
Der Abflug selbst war dann wieder gut, kannte ich ja bereits den Meldepunkt Highwaybridge. Ich flog teilweise der Donau entlang und dann über der Autobahn nach Wels. Nachdem ich die Einflugsektoren mir ja angesehen hatte, und somit auch den Meldepunkt Echo kannte, war der Anflug auf die sehr lange und breite Piste 27 kein Problem. Die Landung war fein, und auch das Rollen zur Abstellfläche war vorbildlich. Ebenso auch der Rückflug nach Wr. Neustadt - dies wohl hauptsächlich, da ich dort ja die Anflugverfahren und Meldepunkte ja schon sehr gut kannte. Es war aber eine sehr gute Erfahrung für mich, am eigenen Leib zu spüren, wie wichtig die Flugvorbereitung war, und dass sich diese nicht nur auf die Strecke und den Flug selbst beschränkt, sondern dass der Zielflugplatz und seine Besonderheiten einen sehr wesentlichen Teil der Vorbereitung ausmachen 😊. Nachdem es aber den Spruch 'je schlechter die Generalprobe, desto besser die Prämiere' gibt, durfte ich ja doch noch hoffen.


Da ich aber vor meinem Dreiecksflug noch eine andere Hürde nehmen musste - das Funkerzeugnis - vertrieb ich mir die Zeit mit ein paar wunderschönen 'Spazierflügen' mit Flugauftrag, z.B. nach Güssing, um mich nicht in entzugsbedingte Agonie zu verfallen 😉

Auch die Alpeneinweisung - welche sich als ein wirklich traumhafter Flug über den Großglockner, bei bestem Wetter entpuppte - kam mir da sehr gelegen, denn es waren ja doch fast 2 Wochen zu überbrücken.

Und die zugegeben doch recht skurile Situation am Flughafen Klagenfurt, wo wir den zweiten Zwischenstop machten rundete das Erlebnis noch ab. Wurden wir doch von einem Marshal Car - das sind diese karierten FollowMe Autos am Pistenrand erwartet, dem wir dann mit der kleinen Katana hinterhergefahren sind. Alles ganz ordentlich und nach Vorschrift. Und dann kam auch noch der Tankwagen, mit 7.000 Liter Sprit, wo wir doch grad mal 20 Liter brauchten 😊

Aber letztlich ging's dann doch darum, Nägel mit Köpfen zu machen, und so legte ich die Termine entsprechend knapp. Ich wußte ja, dass ich vor dem Dreicksflug das Funkerzeugnis brauchte, und ohne Dreiecksflug kein Prüfungsflug.
Der Termin für die Funk-Prüfung war fix - 26.09. 08.00, sorry 0600Z muss es ja richtig heißen. Vom Zusehen bei einer Prüfung - was ich nur jedem wärmstens empfehlen kann - wußte ich ja bereits, dass die Prüfung ca. 1 Stunde dauerte, danach von Wien nach Wr. Neustadt nochmals 45 Minuten. Also legte ich meinen Dreiecksflug auf den 26.09. 0830Z, und meinen Prüfungsflug auf 27.09. 1100Z, in vollem Bewußtsein, dass ich beides Absagen müßte, für den Fall, dass ich die Funkprüfung nicht bestehen würde.
Dementsprechend groß war auch mein eigener Erfolgsdruck und auch die Anspannung. Die letzen Nächte vor der Prüfung hab ich nur noch vom Funken geträumt, war unzählige Male wach und hab auch untertags mehrmals in meinem Kopf 'gefunkt'. Das VFR Funken machte mir keinen Kopfschmerz, denn da hatte ich ja bereits Übung. Da ich aber das AFZ machen wollte, musste ich auch den IFR Teil beherschen, und der mag zwar einfacher wirken, weil ohnehin alles aufgetragen wird, aber da fehlte mir - mit Ausnahme der Übungen aus der Übungsplattform - die Übung aus dem realen Leben.

So betrat ich also am Mittwoch Morgen das Gebäude des bm-vit, wissend, dass mein gesamter Plan, und die Entscheidung ob ich später am Tag fliegen dürfte, am Ausgang der nächsten knapp 60 Minuten hing. Und es hat geklappt, das Funkbeispiel war fair und schaffbar (IFR-Start und VFR-Landung) und der Übersetzungstext war mir bekannt, hatte ich doch am Tag davor alle Texte selber übersetzt. Die Fragen im Anschluss waren ebenfalls genau die Richtigen, und somit durfte ich knapp 60 Minuten später mit meinem AFZ in Richtung Wr. Neustadt Ost fahren

und meinen Dreiecksflug absolvieren.

Nach dem Faux pas beim Übungsflug hatte ich diesmal besonderes Augenmerk auf die Anflugverfahren und auch die Meldepunkte gesetzt, und es hat sich bezahlt gemacht. Ich hab die Platzrunde in Krems gleich gefunden, bin - selbst aus meiner kritischen Sicht - sehr gut runter gesunken, nicht zu schnell, nicht zu hoch und bin gut gelandet auf der 11 UND hab diesmal sogar den Exit geschafft. Auch der Start war diesmal viel besser, wusste ich doch diesmal wo Rollhalt Bravo war, auch wenn ich ihn nicht brauchte, sondern beim Rollen schon die Meldung 'Start nach eigenem Ermessen' hörte.

Auch Wels war wunderbar, hat alles bestens geklappt - dort diesmal zwar auch über die 09, aber wie schon gesagt, da ich mir die Anflugverfahren angesehen hatte, wußte ich auch wo Whiskey war 😊

Nachdem das Wetter an dem Tag traumhaft schön war, hielt ich kurz Rücksprache mit meinem FI, ob ich denn die Route ein wenig ändern könnte, und nicht über die Ebene, sondern über 'die Berge', zurückfliegen könne. Gesagt getan, ich änderte und flog über Lunz am See, Lackenhof und Mariazell um letztendlich über den Schneeberg zurück zu kommen. Was für ein Tag, was für ein Flug und was für ein Wetter...

Glücklich landete ich in Wr. Neustadt, und das erste Mal hatte ich einen richtigen Vorgeschmack wie es sein würde alleine zu fliegen...

Nachdem ich nun alle Hürden geschafft hatte, blieb nur noch der Prüfungsflug. Zuvor hatte ich meinen FE bereits kontaktiert, damit er mir die gewünschte Strecke mitteilt und ich hatte die Flugvorbereitung gemacht. Strecke, Wind, Notams, Zielflugplatz - alles da. Wir sind das dann gemeinsam durchgegangen, danach war ich noch tanken und los gings. 

27.09. 1150Z-1324Z - mein Prüfer war mehr als angenehm und trotzdem sehr korrekt, wollte Manöver sehen und auch ein wenig Geographie wissen - manches davon wusste ich zu meiner Schande nicht - aber dennoch war er zufrieden, sodass wir nach knapp 1:34 den Motor abstellten, und er mir zur bestandenen Flugprüfung gratulierte...

Ich hab's also geschafft, bin stolz und glücklich - und dankbar. Dankbar vorallem für die Unterstützung von neu gewonnenen Freunden und vor allem die meiner Frau, denn der Rest meiner (doch etwas größeren Familie) hatte keine Ahnung, was ich in den vielen Stunden in denen ich 'unterwegs' war gemacht hab, ohne Sie, ohne Euch, hätt ich das nicht geschafft.

Ich freue mich, auf das was vor mir liegt - und da liegt noch einiges vor mir - und ich freue mich auf den ersten Flug als PIC - Pilot in Command, denn nach dem Flug ist vor dem Flug, und die Vorfreude ist ungetrübt und unverändert...

PS: das gilt auch für die Ausbildung, denn auch hier gilt, nach der Prüfung ist vor der Prüfung - im Moment nur so viel: der Weg ist noch nicht zu Ende 😊

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Trondheim – Strausberg – Wr. Neustadt Ost - Endspu...

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